Du bist doch hoffentlich nicht NORMAL!

Was bedeutet eigentlich normal?…schau mal hier:

Unsere Gesellschaft gibt vor was normal ist und was nicht. Das zu tun was alle tun wird als normal angesehen. Ich höre sehr häufig von Klienten den Spruch: „Das ist aber nicht normal!“, wenn es um das Thema Bewegung, Ernährung, oder Bewegungsmuster geht. Darauf sage ich meist: „Stimmt, leider nicht mehr!“

Unser Körper ist nicht dazu gemacht stundenlang zu sitzen, sich nicht zu bewegen und  Fertigprodukte und zu viele Kalorien zu konsumieren, auch wenn das heutzutage für die Meisten leider als normal gilt. Die Folgen sind Übergewicht, Bewegungseinschränkungen und Fehlhaltungen, was Rücken und Gelenksprobleme und schließlich Schmerzen verursacht. Es zahlt sich also aus das „Normale“ in Frage zu stellen.

Ernähre dich gesund und bewege dich so viel und vor allem so vielseitig wie möglich, und sei somit nicht „NORMAL“ 😉

P.S.: Wenn du keinen normalen, sondern einen dynamischen, leistungsfähigen und aufrechten Körper haben willst, melde dich bei mir 🙂

www.equilibriumstate.at / +43 (0) 699 187 244 44

 

 

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Vorbildfunktion – ein Muss für Erwachsene!

„Erziehen heißt vorleben. Alles andere ist höchstens Dressur!“
Dieses Zitat von Oswald Bumke trifft den Nagel auf den Kopf. In diesem Beitrag geht es um die Vorbildfunktion, die in „Sind die Gene schuld“ schon aufgegriffen wurde und mir sehr am Herzen liegt.

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Sind Sie ein gutes Vorbild? Und wenn ja für wen?
Wir Menschen lernen das Meiste durch Nachahmung. Insbesondere in den ersten Wochen und Monaten unseres Lebens entwickeln wir uns ausschließlich durch diese Fähigkeit. Die Mimik und Gestik werden genau beobachtet und das Kind lernt diese zu interpretiert. Verhaltensweisen und Handlungen werden nachgemacht und geübt. Die Ansteuerung der jeweiligen – für eine Bewegung wichtigen Muskeln – bildet sich dadurch differenzierter aus, da sich die Koordination zwischen Gehirn und Muskulatur verbessert. Erst viel später spielt die Weitergabe von Informationen in verbaler und (noch viel später) schriftlicher Form eine übergeordnete Rolle beim erlernen neuer Dinge. Doch wir Menschen lernen und verändern uns ein Leben lang, durch ein Übernehmen von gesehenen und auch gehörten Handlungen, wenn auch oft uns gar nicht bewusst (Stichwort – Werbung!). Mehr darüber können sie im Blogbeitrag „Manipulation“ nachlesen.

Speziell die Bezugspersonen aber auch das nähere Umfeld sind für Kinder und Jugendliche „prägend“. Daraus entsteht eine gewisse Verantwortung gegenüber unserer eigenen Kinder, aber auch gegenüber allen anderen Kindern, denen wir im Leben begegnen. Natürlich sind wir nicht verantwortlich für deren Erziehung, aber wir haben doch – mehr, oder weniger – Einfluss auf ihr Verhalten.

Zuerst ist es die Familie, dann Idole aus Fernsehen und Internet und zeitgleich (oder später) der Freundeskreis, die Einfluss auf den heranwachsenden haben. Wenn Kinder ständig sehen das es o.k. ist, das Verpackungsmaterial von konsumierten Bonbons oder Schokoriegeln und leere Dosen oder Flaschen einfach auf dem Boden geworfen werden. Das viele Erwachsene bei roter Ampel über die Straße gehen. Kein Mitgefühl und keine Hilfsbereitschaft zeigen. Rauchen, Alkohol trinken und mit ihren Mitmenschen respektlos umgehen, wird ein solches Verhalten als ganz normal angesehen und genauso übernommen.

Ich bin kein Freund von Verboten und Zwängen, die uns auferlegt werden. Und ich bin auch der Meinung dass es schon zu viele, und teilweise sinnlose Vorschriften gibt. Aber es muss gewisse Regeln geben, wenn Menschen in einem sozialen Umfeld zusammenleben. Diesen dürfen nicht egoistischen Verhaltenswiesen zugrundeliegend, sondern sollen einen lebenswerten und respektvollen Umgang miteinander ermöglichen.

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Verbal kann man Kindern ja viel sagen, doch viel entscheidender sind die nonverbale Sprache und das Verhalten, das dabei an den Tag gelegt wird. Wenn von einem Kind verlangt wird das es Bitte und Danke sagt, das Kind aber nie beobachten kann wie die Eltern das machen, wird es diese Umgangsformen selbst auch nicht in sein Verhalten aufnehmen. Und wenn die Mama beim Waschen, Kochen, Putzen und Bügeln ein Gesicht macht, als ob sie sich gerade die Beine epiliert, wird das Kind unbewusst wahrnehmen das Hausarbeit keinen Spaß macht. Auch wenn ihm noch so oft erklärt wird, dass es doch lustig ist das Zimmer aufzuräumen.

Selbst so etwas Subtiles wie die Körperhaltung und Bewegungsmuster werden durch Nachahmen gespiegelt und übernommen. Das ist auch der Grund warum wir den „richtigen natürlichen Gang“ mit etwa 3 Jahren verlernen. (ES Klienten wissen das natürlich bereits und lernen diesen in der zweiten Sitzung wieder neu 🙂 ). Auch der gut gemeinte Rat – „Jetzt setz dich doch mal aufrecht hin“ – ist zum Scheitern verurteilt, wenn der Ermahnende selbst in sich kollabiert daneben sitzt.

Wenn es auch nicht die DNA ist, wie oftmals angenommen. So können über Traditionen und Rituale – die eine Person immer wieder erlebt – doch Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften und sogar die Körperhaltung und Bewegungsmuster, an folgende Generationen weiter „vererbt“ werden. Ich bin mir sicher dass die meisten Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen, doch über ihr eigenes Verhalten ungünstige Voraussetzungen für ihren Nachwuchs schaffen, wenn auch unbewusst. Aus diesem Grund sollten sie nicht vor ihrem Kind (oder anderen Kindern) rauchen, übermäßig Alkohol konsumieren und andere Menschen (oder Tiere) respektlos, oder abfällig behandeln.

Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt: „Es ist nicht viel, was uns Menschen von Tieren unterscheidet. Aber es ist etwas ganz Wesentliches: Wir sind die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die über sich selbst, über ihr eigenes Handeln, über ihr eigenes Fühlen, ja sogar über ihr eigenes So-geworden-Sein nachdenken und dabei zu gewissen Erkenntnissen gelangen können“.

Das heißt, wir können zu jeder Zeit unsere Handlungen reflektieren, daraus lernen, und diese in Zukunft ändern. Was wäre also eine bessere Motivation, als ein gutes Vorbild für folgende Generationen zu sein?

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)

Sind sie noch bei Sinnen? Teil 2

Mit Eigenwahrnehmung oder Propriozeption bezeichnet man die Fähigkeit, Muskel- und Gelenkbewegungen wahrzunehmen, wie wir ja im ersten Teil schon gehört haben. Gerade in den Faszien sind sehr viele Nervenendigungen, Schmerz – und Bewegungssensoren vorhanden. Da sie ausnahmslos jede Muskel- und Nervenfaser, jeden Kochen und jedes Organ umhüllen und somit ein Bestandteil von diesen sind. Wir können sie mit einem Ganzkörperanzug vergleichen, ähnlich wie Superhelden in Comics einen tragen. Dieser „Anzug“ und die Melder in den Organen selbst, geben uns zu jeder Zeit Feedback über Muskeldehnung und Gelenkwinkelstellungen.

Auch die Körperhaltung und der Muskeltonus werden ständig überwacht und den Umständen angepasst. Das geschieht jedoch unwillkürlich sodass wir nichts davon mitbekommen. Die Propriozeption wird oft auch als verborgener „sechster Sinn“ bezeichnet. Die Melder in unserem Körper warnen uns aber auch vor potenziellen Verletzungen. Denn kommt man bei Bewegungen dem Gelenkendanschlag bedrohlich nahe, oder erreicht eine unerwartete (oder unverhältnismäßige) Muskeldehnung, kommt es zu einer reflexartigen Reaktion. Wenn man eine Stufe übersieht und zu stolpern droht, wird der Patellarsehnenreflex ausgelöst. Dieser löst eine Aktivierung des Quadrizeps (Oberschenkelmuskel) und somit Streckung des Kniegelenks aus, und verhindert damit sehr häufig Stürze. Den dazugehörigen Reflextest kennen sie vermutlich von ihrem Arzt. Es wird mit einem kleinen Hämmerchen leicht auf die Sehne knapp unterhalb der Kniescheibe geklopft und dadurch der Streckreflex im Oberschenkel- muskel ausgelöst, der den Unterschenkel hoch wippen lässt.

T-Reflex

Ohne das „Feedback“ unserer körpereigenen Rezeptoren wären ganz gewöhnliche Tätigkeiten wie das Gehen, das Greifen, oder auch nur sich umzudrehen unmöglich. Besonders Tänzer, Akrobaten, Musiker und Spitzensportler brauchen eine ausgeprägte Eigenwahrnehmung. Erst dadurch werden ihre Kunststücke möglich. Diese Fähigkeit ist von grundlegender Bedeutung für unsere Bewegungen. Wird die Eigen- wahrnehmung gestört, zum Beispiel durch Krankheiten, Medikamente, Drogen, oder Alkohol, sind auch vertraute Bewegungen plötzlich schwierig bis unmöglich. Sie haben vermutlich schon mal einen stark alkoholisierten Menschen gesehen, der nicht mehr gerade ausgehen konnte. Der Alkohol vermindert die Übertragung von den Rezeptoren über die Nerven zum Gehirn, und schaltet sie ab einem gewissen Punkt ganz ab.

Haben Sie schon einmal versucht auf einem eigeschlafenen Fuß zu stehen? Diese Gefühl kann Ihnen einen Eindruck davon vermittelt, was es bedeutet wenn ein wichtiger Teil unserer Sinneswahrnehmung, nämlich die Propriozeption ausfällt. Bei einem eingeschlafenen Fuß wird diese unterdrückt, was aber zum Glück nicht lange andauert. Die Propriozeption ist so elementar, dass ihr Fehlen kaum vorstellbar scheint. Es gibt jedoch vereinzelte Fälle, in denen Menschen dieses Gefühl für den eigenen Körper verlieren. Ihre Muskeln können sie zwar nach wie vor bewegen, doch ein für uns einfacher Handgriff gerät für sie zu einem mühsamen Akt, da die Stellung der Hand ständig mit dem Auge kontrolliert werden muss.

Oliver Sacks berichtet in der Fallgeschichte „Die Körperlose Frau“ von einer 27 jährigen Frau namens Christina, die an einer sensorischen Polyneuropathie litt. Diese seltene Form der Neuritis (Nerven- entzündung) betraf im beschrieben Fall ausschließlich die Motorik, die die Rückenmarks- und Hirnnerven auf der gesamten Nervenachse betrafen. Die Empfindung des Körpers basiert auf drei Dinge: der visuellen Wahrnehmung, dem Gleichgewichtsorgan und der Eigen- wahrnehmung. Letztere hatte sie verloren und das gab ihr das Gefühl, keinen Körper mehr zu besitzen. Damit hatte sie anfangs auch ihre Fähigkeit sich zu bewegen eingebüßt, da jede Bewegung sowohl vor als auch während ihrer Ausführung, auf Sinneswahrnehmungen aus dem Muskel- und Gelenksystem angewiesen ist. In einer bewundernswerten Anstrengung lernte sie im Laufe von vielen Monaten jedoch, sich auf eine völlig neue Art zu bewegen. Selbst kleinste Bewegungen mussten visuell kontrolliert werden. Aber auch das Stehen, oder Sitzen erforderten eine genaue Planung und bewusste Kontrolle. Ihr Gefühl bekam sie jedoch leider nie wieder zurück und sie bezeichnete sich selbst als „Die ausgehölte Frau, die Frau ohne Körper“.

Fälle wie die hier beschriebene Krankheit mit ihren extremen Ausprägungen sind zum Glück sehr selten. Diese Geschichte macht uns jedoch in eindringlichster Weise die Bedeutung der Propriozeption bewusst. Gar nicht so selten ist dagegen die chronische Verkümmerung der Eigenwahrnehmung. Wird etwas nicht oder nur eingeschränkt benutzt baut es der Körper ab, gemäß dem Spruch „use it – or loose it“. Das geschieht auch mit unserer Wahrnehmungsfähigkeit. Viel Menschen nehmen sich selbst nicht mehr „wahr“ und haben verlernt ihren Körper entsprechend ihrer Funktion zu benutzen. Dies äußert sich in vielfältigsten Störungen der Körperhaltung, Beweglichkeit und Koordination.

Faszienbehandlungen führen zu einer erheblichen Steigerung und differenzierteren Wahrnehmung des Körpers. Dies geschieht durch das Auflösen von Verklebungen und Verspannungen einzelner Abschnitte, die durch die Behandlungen mehr Bewegungsspielraum und Sensibilität erfahren. Zudem lernen Klienten schon während der Behandlung ihren Körper besser zu spüren und den entsprechenden Bereich loszulassen und nicht mit Anspannung dagegen zu arbeiten. Auch werden bei den ES- Sitzungen wieder funktionale Bewegungsmuster gelernt, um den gewonnenen Bewegungsspielraum noch weiter auszubauen. Klienten lernen dabei („wieder“) Bewegungen (zum Beispiel eine Rotation der Hüfte) nicht mehr nur isoliert auszuführen, oder die natürliche Ausgleichsbewegung festzuhalten, sondern den durch die Bewegung entstehenden, natürlichen Impuls im Körper fortlaufen zu lassen.

Auch Körperwahrnehmungsübungen können die Eigenwahrnehmung schulen und die Sensibilität steigern. Richten sie ihre Aufmerksamkeit doch mal nach innen und Fragen sie Melder bewusst ab. Sind Ihre Schultern hochgezogen? Sitzen oder stehen Sie aufrecht? Spüren sie den Sessel oder Boden unter Ihnen? Sind Ihre Beine Durchgestreckt? Ist der Bauch angespannt und das Becken eingezogen? Haben Sie einen entspannten Gesichtsausdruck? Spüren Sie eine Anspannung in ihren Schultern, im Nacken, der sonst irgendwo?

Als Hilfsmittel können Sie sich vor einen Spiegel stellen und dadurch ein zusätzliches visuelles Feedback einholen und mit ihrer Eigen- wahrnehmung vergleichen. Das kann gerade zu Anfang ganz hilfreich sein, wenn man noch nicht so geübt darin ist seinen Körper gut zu „erspüren“ und die Körperhaltung bewusst zu verändern.

Sie können sich aber auch einfach mal auf den Boden legen und ihren Körper wahrnehmen. Fühlen Sie wo sie aufliegen und ob es sich angenehm anfühlt. Vergleichen sie beide Schultern, das Becken und die Beine miteinander. Liegt eine Seite tiefer auf als die andere, ist mehr gestreckt, mehr rotiert, oder hat mehr Spannung? Versuchen sie diese Seite loszulassen und zu entspannen.

Die nächste Stufe wäre jetzt seinen Körper zu bewegen, oder besser gesagt bewegen zu lassen. Zum Beispiel auf dem Rücken liegend, mal nur das rechte Bein seitlich in der Hüfte anzuziehen und währenddessen darauf zu achten was sich in Ihrem Körper verändert. Nehmen Sie sich viel Zeit für die Bewegung und machen Sie langsam! Bewegen sich dadurch auch andere Körperteile, oder spannen sich andere Bereiche an? Und brauchen Sie diese Spannung überhaupt für diese Bewegung? Das Ziel ist mit nur der dafür nötigen Kraft und Spannung eine Bewegung auszuführen und den Körper nicht festzuhalten, sondern ihm zu erlauben sich entsprechend zu bewegen. Nehmen Sie sich Zeit ihren Körper (neu) „kennenzulernen“, denn:

Je mehr wir uns auch unserer inneren Sinne bewusst werden, desto erfü(h)llter kann unser Leben sein 🙂 !