Sprenge deine Ketten und verändere die Welt! – Gestalte deine Muster, denn deine Muster gestalten dich!

Wir bilden in unserem Leben häufig Glaubenssätze anhand unserer Erfahrungen, die verhindern das wir Dinge versuchen oder auch schaffen, an denen wir, oder  jemand anderer, irgendwann schon mal gescheitert sind. Diese Erfahrungen werden mit der Zeit zu Gewohnheiten, auch Muster genannt!

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Definition von Gewohnheiten: „durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung, Eigenheit; etwas oft nur noch mechanisch oder unbewusst Ausgeführtes“

Neuronen Verbindungen werden umso stärker, je häufiger sie benutzt werden. Sie bilden in unserem Gehirn  Muster, doch diese sind nicht unveränderlich. Unser Gehirn ist plastisch und lässt sich durch neues Denken und Hinterfragen verändern.

Also sprenge deine Ketten, denn es ist nur der Glaube an das unmögliche, der die Berge vor dem versetzt werden schützt 😉

Damit es dir nicht so geht wie dem Elefanten auf dem Bild, schau dir das Video an!

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Lebende Anatomie!

Der Unterschied zwischen einer bloßen Betrachtung der Funktionsweise unserer Einzelteile einerseits. Und der Zusammenhang, das Zusammenarbeiten sowie deren gegenseitiger Beeinflussungen andererseits – das macht den Unterschied zwischen toter und lebendiger (funktionaler) Anatomie.

Das Wort Anatomie stammt aus dem griechischen und leitet sich von ana „auf“, oder „ein“ und tome „Schnitt“ ab. Sie bezeichnet die Wissenschaft und Lehre vom äußeren und inneren Aufbau des menschlichen, oder tierischen Körpers und beschäftigt sich mit der Lage, Gestalt und Struktur von Körperteilen und Organen. Bei Pflanzen wird diese als Morphologie bezeichnet.

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Es werden bei der Anatomie im schulmedizinischen und wissenschaftlichen Bereich – bis auf wenige Ausnahmen – immer nur Teilabschnitte betrachtet. Der gesamte Zusammenhang von Organen, Muskeln, Knochen, Gelenken, Sehnen und Faszien wird meist außer Acht gelassen. In medizinischen und sportwissenschaftlichen Ausbildungen gibt es Fächer wie Biologie, Anatomie, Histologie, Pathologie und so weiter, die sich nur auf den entsprechenden Bereich konzentrieren und nicht großartig auf die Beeinflussung auf andere Regionen beziehen. Diese Unterteilung und Spezialisierung ist zwar notwendig und sinnvoll, um der Komplexität des gesamten Organismus gerecht zu werden. Es ergibt sich dadurch jedoch der Nachteil, dass die Zusammenhänge des „Ganzen“ oft nicht erkannt werden.

In Lehrbüchern wird bei Muskeln angegeben wo sie entspringen (Ursprung), ansetzen (Ansatz) und welche Funktion sie haben. Sie können theoretisch isoliert betrachtet werden. Wenn Bewegungen analysiert werden, wird es schon interessanter. Der Muskeln der die Bewegung in erster Linie ausführt wird als Spieler (Agonist) bezeichnet. Der Muskel der durch seine Lage die gegenteilige Bewegung ausführt wird mit Gegenspieler (Antagonist) benannt. Dann gibt es da noch Mitspieler (Synergist), das sind jene Muskeln die den Agonist unterstützen, und Stabilisatoren die den Körper, oder Teilbereiche davon bei dieser Bewegung stabilisieren. Diese Sichtweise ist aber sehr theoretisch und gilt nur für einen kurzen Augenblick, denn zum einen ändern sich bei funktionalen Bewegungen ständig mehrere Gelenkwinkel und es kann nicht ein Muskel allein angesteuert werden. Und zum anderen werden bei dieser Betrachtungsweise die Vorspannungen und Kraftübertragung anderer Teilbereiche des Körpers außer Acht gelassen. Bei sogenannten isolierten Bewegungen im Fitnessstudio wird genau dieser theoretische Ansatz verfolgt um gezielt den Muskelquerschnitt des trainierten Muskels zu erhöhen, oder die lokale Kraftausdauer zu verbessern. Der Körper arbeitet dabei aber auf unnatürliche Weise und das Ergebnis ist eine gewisse Einseitigkeit, die höchstens einem vorgegebenen Schönheitsideal entspricht.

Zum Lernen der Bestandteile des menschlichen oder tierischen Körpers, ist es wie gesagt hilfreich eine Unterteilung vorzunehmen und auch nur Teilabschnitte darzustellen, oder darüber liegende Muskeln, oder Faszien zu entfernen. Wird diese Sichtweise jedoch in der späteren Berufsausübung beibehalten, kommt es zu der leider gängigen Symptom-, anstatt Ursachenbehandlung. Es gibt natürlich auch Ausnahmen bei Forschern, Wissenschaftlern, Dozenten und Ärzten. Gerade auf dem Gebiet der Faszien wird in letzter Zeit sehr viel geforscht und immer neuen Erkenntnisse über deren Wichtigkeit und die Vielfältigkeit ihrer Aufgaben wird dadurch bekannt. Deshalb erleben Faszien zurzeit einen wahren Trend, der sie durch alle Medien auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Hierbei leistet die Faszien Forschung einen wertvollen Beitrag. Früher stifteten Faszien ein eher stiefmütterliches Dasein und wurden beim Blick (vor allem in Lehrbüchern) auf die Muskulatur, Knochen und Gelenke einfach entfernt, oder zumindest nicht weiter beachtet und als nicht wichtig erachtet. Heute weiß man das dieses Bindegewebe nicht bloß Füllmaterial ist, das dafür sorgt das Organe an ihrem Platz bleiben und nicht auf einmal beim Laufen oder springen das Herz in die Hose rutscht 🙂 .

Aufgrund immer neuer Erkenntnisse untermauert die Wissenschaft, einen ganzheitlichen Ansatz bei der Betrachtungsweise auf unsere Körper. Es kann nicht jeder Muskel, oder jedes Organ isoliert und für sich allein betrachtet werden. Es gibt keinen Anfang und kein Ende der Muskeln, Sehnen, oder Faszien. Alles hängt zusammen, beeinflusst sich gegenseitig und will im Gleichgewicht gehalten werden. Einseitig auftretende Reize sorgen für Dysbalancen und führen vor allem langfristig oftmals zu physischen Probleme.

Es können auch nicht isoliert nur die Muskeln, oder Faszien trainiert werden, auch wenn das gerne so „verkauft“ wird! Es sind selbst beim Zähneputzen, sowie bei jeder anderen Bewegung immer Muskeln, Sehnen, Knochen, Gelenke und Faszien beteiligt. Die Frage ist eher wie sinnvoll gewisse Bewegungen für unseren Körper sind und welche Auswirkungen wir dadurch erhalten?

Unser Körper passt sich an die auf ihn einwirkenden Kräfte an. Je öfter gleiche Bewegungsreize auftreten, oder Dauerpositionen eingenommen werden, desto mehr verändert sich dadurch der Körper in eben diese Richtung. Das ist die schlechte und gleichzeitig gute Nachricht! Denn wir können selbst entscheiden ob wir uns intensiven Belastungen, einseitigen und ausschnittsweisen, immer wiederkehrenden Bewegungen aussetzen. Oder ob wir abwechslungsreiche, fließende und funktionale Bewegungen in unseren Alltag integrieren. So oder so wird unser Körper darauf reagieren! Entweder mit einem unausgeglichenen, verspannten und unflexiblem Körper, oder mit einem dynamischen, elastischen und funktional leistungsfähigem Körper.

Werden Sie Ihrem Körper mit all seinem vielfältigen Bewegungsspielraum gerecht und reduzieren Sie sich nicht auf nur einen kleinen Prozentsatz Ihrer Möglichkeiten 🙂 !

Vorbildfunktion – ein Muss für Erwachsene!

„Erziehen heißt vorleben. Alles andere ist höchstens Dressur!“
Dieses Zitat von Oswald Bumke trifft den Nagel auf den Kopf. In diesem Beitrag geht es um die Vorbildfunktion, die in „Sind die Gene schuld“ schon aufgegriffen wurde und mir sehr am Herzen liegt.

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Sind Sie ein gutes Vorbild? Und wenn ja für wen?
Wir Menschen lernen das Meiste durch Nachahmung. Insbesondere in den ersten Wochen und Monaten unseres Lebens entwickeln wir uns ausschließlich durch diese Fähigkeit. Die Mimik und Gestik werden genau beobachtet und das Kind lernt diese zu interpretiert. Verhaltensweisen und Handlungen werden nachgemacht und geübt. Die Ansteuerung der jeweiligen – für eine Bewegung wichtigen Muskeln – bildet sich dadurch differenzierter aus, da sich die Koordination zwischen Gehirn und Muskulatur verbessert. Erst viel später spielt die Weitergabe von Informationen in verbaler und (noch viel später) schriftlicher Form eine übergeordnete Rolle beim erlernen neuer Dinge. Doch wir Menschen lernen und verändern uns ein Leben lang, durch ein Übernehmen von gesehenen und auch gehörten Handlungen, wenn auch oft uns gar nicht bewusst (Stichwort – Werbung!). Mehr darüber können sie im Blogbeitrag „Manipulation“ nachlesen.

Speziell die Bezugspersonen aber auch das nähere Umfeld sind für Kinder und Jugendliche „prägend“. Daraus entsteht eine gewisse Verantwortung gegenüber unserer eigenen Kinder, aber auch gegenüber allen anderen Kindern, denen wir im Leben begegnen. Natürlich sind wir nicht verantwortlich für deren Erziehung, aber wir haben doch – mehr, oder weniger – Einfluss auf ihr Verhalten.

Zuerst ist es die Familie, dann Idole aus Fernsehen und Internet und zeitgleich (oder später) der Freundeskreis, die Einfluss auf den heranwachsenden haben. Wenn Kinder ständig sehen das es o.k. ist, das Verpackungsmaterial von konsumierten Bonbons oder Schokoriegeln und leere Dosen oder Flaschen einfach auf dem Boden geworfen werden. Das viele Erwachsene bei roter Ampel über die Straße gehen. Kein Mitgefühl und keine Hilfsbereitschaft zeigen. Rauchen, Alkohol trinken und mit ihren Mitmenschen respektlos umgehen, wird ein solches Verhalten als ganz normal angesehen und genauso übernommen.

Ich bin kein Freund von Verboten und Zwängen, die uns auferlegt werden. Und ich bin auch der Meinung dass es schon zu viele, und teilweise sinnlose Vorschriften gibt. Aber es muss gewisse Regeln geben, wenn Menschen in einem sozialen Umfeld zusammenleben. Diesen dürfen nicht egoistischen Verhaltenswiesen zugrundeliegend, sondern sollen einen lebenswerten und respektvollen Umgang miteinander ermöglichen.

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Verbal kann man Kindern ja viel sagen, doch viel entscheidender sind die nonverbale Sprache und das Verhalten, das dabei an den Tag gelegt wird. Wenn von einem Kind verlangt wird das es Bitte und Danke sagt, das Kind aber nie beobachten kann wie die Eltern das machen, wird es diese Umgangsformen selbst auch nicht in sein Verhalten aufnehmen. Und wenn die Mama beim Waschen, Kochen, Putzen und Bügeln ein Gesicht macht, als ob sie sich gerade die Beine epiliert, wird das Kind unbewusst wahrnehmen das Hausarbeit keinen Spaß macht. Auch wenn ihm noch so oft erklärt wird, dass es doch lustig ist das Zimmer aufzuräumen.

Selbst so etwas Subtiles wie die Körperhaltung und Bewegungsmuster werden durch Nachahmen gespiegelt und übernommen. Das ist auch der Grund warum wir den „richtigen natürlichen Gang“ mit etwa 3 Jahren verlernen. (ES Klienten wissen das natürlich bereits und lernen diesen in der zweiten Sitzung wieder neu 🙂 ). Auch der gut gemeinte Rat – „Jetzt setz dich doch mal aufrecht hin“ – ist zum Scheitern verurteilt, wenn der Ermahnende selbst in sich kollabiert daneben sitzt.

Wenn es auch nicht die DNA ist, wie oftmals angenommen. So können über Traditionen und Rituale – die eine Person immer wieder erlebt – doch Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften und sogar die Körperhaltung und Bewegungsmuster, an folgende Generationen weiter „vererbt“ werden. Ich bin mir sicher dass die meisten Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen, doch über ihr eigenes Verhalten ungünstige Voraussetzungen für ihren Nachwuchs schaffen, wenn auch unbewusst. Aus diesem Grund sollten sie nicht vor ihrem Kind (oder anderen Kindern) rauchen, übermäßig Alkohol konsumieren und andere Menschen (oder Tiere) respektlos, oder abfällig behandeln.

Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt: „Es ist nicht viel, was uns Menschen von Tieren unterscheidet. Aber es ist etwas ganz Wesentliches: Wir sind die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten, die über sich selbst, über ihr eigenes Handeln, über ihr eigenes Fühlen, ja sogar über ihr eigenes So-geworden-Sein nachdenken und dabei zu gewissen Erkenntnissen gelangen können“.

Das heißt, wir können zu jeder Zeit unsere Handlungen reflektieren, daraus lernen, und diese in Zukunft ändern. Was wäre also eine bessere Motivation, als ein gutes Vorbild für folgende Generationen zu sein?

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)

Sind sie noch bei Sinnen? Teil 2

Mit Eigenwahrnehmung oder Propriozeption bezeichnet man die Fähigkeit, Muskel- und Gelenkbewegungen wahrzunehmen, wie wir ja im ersten Teil schon gehört haben. Gerade in den Faszien sind sehr viele Nervenendigungen, Schmerz – und Bewegungssensoren vorhanden. Da sie ausnahmslos jede Muskel- und Nervenfaser, jeden Kochen und jedes Organ umhüllen und somit ein Bestandteil von diesen sind. Wir können sie mit einem Ganzkörperanzug vergleichen, ähnlich wie Superhelden in Comics einen tragen. Dieser „Anzug“ und die Melder in den Organen selbst, geben uns zu jeder Zeit Feedback über Muskeldehnung und Gelenkwinkelstellungen.

Auch die Körperhaltung und der Muskeltonus werden ständig überwacht und den Umständen angepasst. Das geschieht jedoch unwillkürlich sodass wir nichts davon mitbekommen. Die Propriozeption wird oft auch als verborgener „sechster Sinn“ bezeichnet. Die Melder in unserem Körper warnen uns aber auch vor potenziellen Verletzungen. Denn kommt man bei Bewegungen dem Gelenkendanschlag bedrohlich nahe, oder erreicht eine unerwartete (oder unverhältnismäßige) Muskeldehnung, kommt es zu einer reflexartigen Reaktion. Wenn man eine Stufe übersieht und zu stolpern droht, wird der Patellarsehnenreflex ausgelöst. Dieser löst eine Aktivierung des Quadrizeps (Oberschenkelmuskel) und somit Streckung des Kniegelenks aus, und verhindert damit sehr häufig Stürze. Den dazugehörigen Reflextest kennen sie vermutlich von ihrem Arzt. Es wird mit einem kleinen Hämmerchen leicht auf die Sehne knapp unterhalb der Kniescheibe geklopft und dadurch der Streckreflex im Oberschenkel- muskel ausgelöst, der den Unterschenkel hoch wippen lässt.

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Ohne das „Feedback“ unserer körpereigenen Rezeptoren wären ganz gewöhnliche Tätigkeiten wie das Gehen, das Greifen, oder auch nur sich umzudrehen unmöglich. Besonders Tänzer, Akrobaten, Musiker und Spitzensportler brauchen eine ausgeprägte Eigenwahrnehmung. Erst dadurch werden ihre Kunststücke möglich. Diese Fähigkeit ist von grundlegender Bedeutung für unsere Bewegungen. Wird die Eigen- wahrnehmung gestört, zum Beispiel durch Krankheiten, Medikamente, Drogen, oder Alkohol, sind auch vertraute Bewegungen plötzlich schwierig bis unmöglich. Sie haben vermutlich schon mal einen stark alkoholisierten Menschen gesehen, der nicht mehr gerade ausgehen konnte. Der Alkohol vermindert die Übertragung von den Rezeptoren über die Nerven zum Gehirn, und schaltet sie ab einem gewissen Punkt ganz ab.

Haben Sie schon einmal versucht auf einem eigeschlafenen Fuß zu stehen? Diese Gefühl kann Ihnen einen Eindruck davon vermittelt, was es bedeutet wenn ein wichtiger Teil unserer Sinneswahrnehmung, nämlich die Propriozeption ausfällt. Bei einem eingeschlafenen Fuß wird diese unterdrückt, was aber zum Glück nicht lange andauert. Die Propriozeption ist so elementar, dass ihr Fehlen kaum vorstellbar scheint. Es gibt jedoch vereinzelte Fälle, in denen Menschen dieses Gefühl für den eigenen Körper verlieren. Ihre Muskeln können sie zwar nach wie vor bewegen, doch ein für uns einfacher Handgriff gerät für sie zu einem mühsamen Akt, da die Stellung der Hand ständig mit dem Auge kontrolliert werden muss.

Oliver Sacks berichtet in der Fallgeschichte „Die Körperlose Frau“ von einer 27 jährigen Frau namens Christina, die an einer sensorischen Polyneuropathie litt. Diese seltene Form der Neuritis (Nerven- entzündung) betraf im beschrieben Fall ausschließlich die Motorik, die die Rückenmarks- und Hirnnerven auf der gesamten Nervenachse betrafen. Die Empfindung des Körpers basiert auf drei Dinge: der visuellen Wahrnehmung, dem Gleichgewichtsorgan und der Eigen- wahrnehmung. Letztere hatte sie verloren und das gab ihr das Gefühl, keinen Körper mehr zu besitzen. Damit hatte sie anfangs auch ihre Fähigkeit sich zu bewegen eingebüßt, da jede Bewegung sowohl vor als auch während ihrer Ausführung, auf Sinneswahrnehmungen aus dem Muskel- und Gelenksystem angewiesen ist. In einer bewundernswerten Anstrengung lernte sie im Laufe von vielen Monaten jedoch, sich auf eine völlig neue Art zu bewegen. Selbst kleinste Bewegungen mussten visuell kontrolliert werden. Aber auch das Stehen, oder Sitzen erforderten eine genaue Planung und bewusste Kontrolle. Ihr Gefühl bekam sie jedoch leider nie wieder zurück und sie bezeichnete sich selbst als „Die ausgehölte Frau, die Frau ohne Körper“.

Fälle wie die hier beschriebene Krankheit mit ihren extremen Ausprägungen sind zum Glück sehr selten. Diese Geschichte macht uns jedoch in eindringlichster Weise die Bedeutung der Propriozeption bewusst. Gar nicht so selten ist dagegen die chronische Verkümmerung der Eigenwahrnehmung. Wird etwas nicht oder nur eingeschränkt benutzt baut es der Körper ab, gemäß dem Spruch „use it – or loose it“. Das geschieht auch mit unserer Wahrnehmungsfähigkeit. Viel Menschen nehmen sich selbst nicht mehr „wahr“ und haben verlernt ihren Körper entsprechend ihrer Funktion zu benutzen. Dies äußert sich in vielfältigsten Störungen der Körperhaltung, Beweglichkeit und Koordination.

Faszienbehandlungen führen zu einer erheblichen Steigerung und differenzierteren Wahrnehmung des Körpers. Dies geschieht durch das Auflösen von Verklebungen und Verspannungen einzelner Abschnitte, die durch die Behandlungen mehr Bewegungsspielraum und Sensibilität erfahren. Zudem lernen Klienten schon während der Behandlung ihren Körper besser zu spüren und den entsprechenden Bereich loszulassen und nicht mit Anspannung dagegen zu arbeiten. Auch werden bei den ES- Sitzungen wieder funktionale Bewegungsmuster gelernt, um den gewonnenen Bewegungsspielraum noch weiter auszubauen. Klienten lernen dabei („wieder“) Bewegungen (zum Beispiel eine Rotation der Hüfte) nicht mehr nur isoliert auszuführen, oder die natürliche Ausgleichsbewegung festzuhalten, sondern den durch die Bewegung entstehenden, natürlichen Impuls im Körper fortlaufen zu lassen.

Auch Körperwahrnehmungsübungen können die Eigenwahrnehmung schulen und die Sensibilität steigern. Richten sie ihre Aufmerksamkeit doch mal nach innen und Fragen sie Melder bewusst ab. Sind Ihre Schultern hochgezogen? Sitzen oder stehen Sie aufrecht? Spüren sie den Sessel oder Boden unter Ihnen? Sind Ihre Beine Durchgestreckt? Ist der Bauch angespannt und das Becken eingezogen? Haben Sie einen entspannten Gesichtsausdruck? Spüren Sie eine Anspannung in ihren Schultern, im Nacken, der sonst irgendwo?

Als Hilfsmittel können Sie sich vor einen Spiegel stellen und dadurch ein zusätzliches visuelles Feedback einholen und mit ihrer Eigen- wahrnehmung vergleichen. Das kann gerade zu Anfang ganz hilfreich sein, wenn man noch nicht so geübt darin ist seinen Körper gut zu „erspüren“ und die Körperhaltung bewusst zu verändern.

Sie können sich aber auch einfach mal auf den Boden legen und ihren Körper wahrnehmen. Fühlen Sie wo sie aufliegen und ob es sich angenehm anfühlt. Vergleichen sie beide Schultern, das Becken und die Beine miteinander. Liegt eine Seite tiefer auf als die andere, ist mehr gestreckt, mehr rotiert, oder hat mehr Spannung? Versuchen sie diese Seite loszulassen und zu entspannen.

Die nächste Stufe wäre jetzt seinen Körper zu bewegen, oder besser gesagt bewegen zu lassen. Zum Beispiel auf dem Rücken liegend, mal nur das rechte Bein seitlich in der Hüfte anzuziehen und währenddessen darauf zu achten was sich in Ihrem Körper verändert. Nehmen Sie sich viel Zeit für die Bewegung und machen Sie langsam! Bewegen sich dadurch auch andere Körperteile, oder spannen sich andere Bereiche an? Und brauchen Sie diese Spannung überhaupt für diese Bewegung? Das Ziel ist mit nur der dafür nötigen Kraft und Spannung eine Bewegung auszuführen und den Körper nicht festzuhalten, sondern ihm zu erlauben sich entsprechend zu bewegen. Nehmen Sie sich Zeit ihren Körper (neu) „kennenzulernen“, denn:

Je mehr wir uns auch unserer inneren Sinne bewusst werden, desto erfü(h)llter kann unser Leben sein 🙂 !

Was haben der Osterhase und der Weihnachtsmann gemeinsam?

Sie haben beide einen nicht sehr rückenfreundlichen Job und mit Sicherheit schlimme Rückenschmerzen! Zum Glück arbeiten beide nur einmal im Jahr und haben genügend Zeit um sich bis zum nächsten Mal wieder zu erholen. Das Problem der beiden ist der schwere Korb, beziehungsweise Sack im Rücken. Dadurch wird der Körper, zur Kompensation nach vorne geneigt und es entsteht ein ausgeprägter Rundrücken. Hätten sie einen guten Faszien Therapeuten, könnten sie weit öfter im Jahr kommen und uns Geschenke bringen 🙂 !

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Wenn wir einen Blick auf die Bilder werfen, sieht es für die meisten so aus als wenn das Problem im Rücken liegt. Auch die meisten Ärzte und Therapeuten sind dieser Meinung und behandeln nur den Rücken, oder verordnen die klassische Rückenschule um die Probleme „weg“ zu trainieren. Um zu erkennen dass das nicht der richtige Ansatz ist, sehen wir uns mal den Aufbau der Wirbelsäule an. Der entstandene Rundrücken ist nämlich mehr das Symptom, als die Ursache.

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Die Wirbelsäule ist das zentrale, tragende Element des Körpers von Wirbeltieren und auch uns Menschen. Sie besteht bei uns aus 24 Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich miteinander verbunden sind. Die hohe Beweglichkeit von ca. 250° (von maximaler Beugung in max. Streckung) wird durch 147 Gelenke (Bandscheiben, Facettengelenke, Rippengelenke) gewährleistet. Ihre mehrfache Biegung, auch „Doppel-S“ Krümmung genannt, dient der Dämpfung von Stößen. Diese Krümmung verändert ihre Schwingung bei Belastung und kann so Stöße aufnehmen.
Die Wirbelkörper und Bandscheiben dienen aber auch als Ansatzstelle für Nerven, weit über 200 Muskeln und unzähligen Faszien. Diese ziehen in alle Richtungen und sorgen bei Verkürzungen und Verspannungen zu einer veränderten Körperstruktur. So kann bespielweise ein einseitig verspannter „quadratus lumborum“ zu einem Beckenschiefstand, oder einer Beckenrotation führen.

Die Bandscheiben „leben“ von Bewegung! Sie sind das größte nicht durchblutet Gewebe im Körper und werden über Osmose (passiver Stoffaustausch) versorgt. Diese Versorgung funktioniert allerdings nur bei kleinen Molekülen, wie zum Beispiel Mineralien und Sauerstoff. Bei größeren wie beispielsweise Enzymen, Wachstumshormonen, oder Aminosäuren braucht es Bewegung (Hydrostatik). Wird nicht regelmäßig bewegt, verlieren die Bandscheiben mit der Zeit an Wasserspeicherungsfähigkeit und können dadurch den Druck nicht mehr so gut aufnehmen. Die Kollagen Fasern fragmentieren und Grundsubstanz geht verloren, was häufig einen Bandscheibenvorfall zur Folge hat.

Auch die Faszien „ernähren“ sich durch Bewegung und bleiben nur durch diese elastisch. Bei Bewegungsmangel wird mehr Kollagen eingelagert und der Flüssigkeitsanteil in den Faszien sinkt. Sie sind dann nicht mehr so flexibel und es kommt zur Fibringerinnung (Verklebungen) wodurch Teilabschnitte unbeweglich werden. Deshalb entstehen bei plötzlich auftretenden und sehr großen Bewegungen leicht Einrisse, diese haben häufig langwierige und laut Schulmedizin nicht feststellbare Schmerzen zur Folge. Dehnübungen sind in diesem Zusammenhang für verkürzte Bereiche auch nicht ungefährlich, da bei einem Zuviel an Zug die Strukturen auch verletzt werden können.

Einer der Hauptverursacher für die Rückenform vom Osterhasen und Weihnachtsmann, ist der verkürzte „rectus abdominis“ (gerader Bauchmuskel). Er setzt am Schambein und am Rippenknorpel des Brustkorbes an und beeinflusst dadurch direkt die Form der Wirbelsäule. Durch seine Verkürzung kollabiert der Oberköper und kann nur mit intensiver Kraft der Rückenstrecker, willentlich mehr oder weniger aufgerichtet werden. Das funktioniert aber nur für sehr kurze Zeit, da die Muskulatur sehr schnell ermüdet. Deshalb ist der Spruch „Jetzt setz dich doch mal gerade hin“ oder „Steh mal gerade“ auch zum scheitern verurteilt. Das hat jedoch nichts damit zu tun dass die Rückenmuskulatur zu schwach ist wie viel meinen, sondern weil sie dafür überhaupt nicht vorgesehen ist.

Das Problem liegt also nicht im Rücken, sondern an einer stark verkürzten Vorderseite. Deshalb sollte sich auch in der Konsequenz genau darum gekümmert werden. Ein häufig verordnetes herkömmliches Bauchmuskeltraining verstärkt zusätzlich den Zug der Vorderseite und kann das Problem nicht lösen, sondern eher noch verschlimmern. Auch ein Rückentraining führt nicht zur Lösung des Problems und überlastet die Rückenstrecker zusätzlich. Diese sind ohnehin durch den ständigen Zug nach vorne überfordert und bräuchten Entlastung, und keine weitere Arbeit.

In der „Ent-spannung“ liegt die Lösung für das Rundrücken Problem! Die Vordesseite muss wieder mehr länge bekommen. Nur so kann sich der Körper wieder aufrichten und Überlastungen können langfristig verschwinden. Erreichbar ist diese aber nicht durch dreimal fünf Minuten Dehnen die Woche, sondern durch die Verwendung von Bewegungsmustern, die ins tägliche Leben integriert werden. Nur so können sich die Strukturen nachhaltig ändern und Entspannung erreicht werden. Diese Veränderungen gehen jedoch sehr langsam vor sich, denn sie sind auch über lange Zeit allmählich entstanden. Klienten von mir erreichen überragende Ziele schon nach nur einer Behandlung, die sicht– und spürbar sind und aus eigener Kraft Jahre dauern, oder niemals erreicht würden.

Wünschen sie sich doch das nächste Mal vom Osterhasen, oder Weihnachtsmann eine ES – Equilibriumstate Faszienbehandlung. Bei dieser Gelegenheit können die beiden auch gleich auf meiner Liege Platznehmen 😉 !